
Von Rosemarie Ring | Auf Initiative des SPD-Ortsvereins Hörde-Süd erinnert seit den 1980er-Jahren eine Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Polizeiwache in Hörde an die Opfer des Nationalsozialismus. Während der NS-Herrschaft von 1934 bis 1945 befand sich hier die Gestapo-Zentrale für den Bezirk Arnsberg. Im Keller des Hauses war ein Gestapo-Gefängnis untergebracht, in dem Menschen gefoltert und ermordet wurden. Von diesem Ort aus wurden zudem im Jahr 1945 die Morde im Rombergpark und in der Bittermark organisiert.
Der Ortsverein gedachte der Opfer viele Jahre lang jeweils am Gründonnerstag mit einer Kranzniederlegung.
Nach der Übernahme des Gebäudes durch die Ko-Operativ e.G. im Jahr 2019 wurde das Haus in den Jahren 2021 bis 2024 umfassend umgebaut und aufgestockt. Es entstand das genossenschaftliche Wohnprojekt „Wir aufm Revier“.
Im November 2022 stellte sich bei vorbereitenden Arbeiten heraus, dass die Gedenktafel verschwunden war. Entgegen der ursprünglichen Planung war sie nicht von der beauftragten Schlosserfirma abgenommen und zwischengelagert worden.
In der Einwohnerfragestunde der Bezirksvertretung Hörde am 8. November 2022 erkundigte sich Dmitriy Kostovarov, Vorsitzender des Historischen Vereins Arnsberger Kriegsopferndaten Memorial, besorgt nach dem Verbleib der Tafel. Trotz intensiver Suche auf der Baustelle blieb sie unauffindbar, sodass „Wir aufm Revier“ im Dezember 2022 Anzeige erstattete.
Bereits im Kaufvertrag der Ko-Operativ e.G. war festgehalten worden:
„An der Westseite des Gebäudes ist eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Gräueltaten der Geheimen Staatspolizei angebracht. Der Käufer verpflichtet sich, diese zu erhalten bzw. im Falle eines Neubaus wieder anzubringen.“
Auch den Bewohnerinnen und Bewohnern des WIR-Projekts ist es ein wichtiges Anliegen, die Erinnerung an die dunkle Geschichte des Hauses wachzuhalten. Daher wurden im Laufe des Jahres 2023 Angebote für eine originalgetreue Nachbildung eingeholt. Mit der Anfertigung wurde der Dortmunder Kunstschmied Siggi Hüvel beauftragt.
Im April 2024 brachte er die neue Tafel eigenhändig an. Am 10. Juli 2024 wurde sie in einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem SPD-Ortsverein Hörde-Süd und der Steinwache feierlich eingeweiht. Nach Grußworten der Vorsitzenden Monika Driesner-Goerke sowie der SPD-Landtagsabgeordneten Anja Butschkau erläuterte Dr. Markus Günnewig, Leiter der Steinwache, ausführlich die historischen Hintergründe.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde der Wunsch geäußert, weiterführende Informationen zur Geschichte des Hauses dauerhaft zugänglich zu machen. Insbesondere sollte der Vortrag von Dr. Günnewig digital abrufbar sein.
Diesem Wunsch ist „Wir aufm Revier“ mit Unterstützung des StadtbezirksMarketings Hörde nachgekommen. Ein neues Infoschild mit QR-Code und Linkwurde angebracht, sodass Interessierte sich vertieft mit der Geschichte des Hauses auseinandersetzen können.
