
Über Jahrzehnte gehörte sie zum Bild von Hörde: die alte Tull-Villa am Phoenix See. Zwischen moderner Architektur, Spazierwegen und neu entstandenen Wohngebäuden erinnerte das historische Haus an eine Zeit, in der hier noch Hochöfen brannten und das Leben vom Stahl geprägt war.
Nun ist der Abriss der Tull-Villa fast abgeschlossen. Wo einst eines der markantesten Gebäude des alten Hörde stand, bleiben bald nur noch Erinnerungen und historische Fotografien zurück.
Einst war die Villa ein prachtvoller Industriellensitz. Hier residierte der Direktor des Hörder Hüttenwerks, Ludwig Tull. 1893 wurde die Villa Tull im klassizistischen Stil erbaut, dann lebten Tull und seine Familie darin. Feiner Stuck und imposante Erker schmückten die Villa damals.
Direkt neben der Hörder Burg gelegen, zählte das Gebäude zu den letzten sichtbaren Zeugen der alten Industriegeschichte von Phoenix-Ost.
Viele Hörder verbinden persönliche Erinnerungen mit der Villa. Für die einen war sie ein geheimnisvoller „Lost Place“, für andere ein wichtiges Stück Heimatgeschicht
Trotz ihres historischen Wertes verfiel das Gebäude über viele Jahre hinweg zunehmend. Immer wieder gab es Ideen für eine Rettung oder neue Nutzung – von Gastronomie bis Kulturprojekt. Doch letztlich scheiterten alle Pläne an den hohen Kosten und dem schlechten Zustand des Hauses.
Mit dem Verschwinden der Villa endet auch ein weiteres Kapitel der Hörder Industriegeschichte. Gerade am Phoenix See wird sichtbar, wie stark sich der Stadtteil verändert hat: Aus dem ehemaligen Stahlstandort ist ein modernes Wohn- und Freizeitgebiet geworden. Die Tull-Villa war dabei eines der letzten Gebäude, das noch direkt an die alte Zeit erinnerte.
Viele Menschen in Hörde sehen den Abriss mit Wehmut. Denn auch wenn das Gebäude zuletzt stark verfallen war, hatte es bis zuletzt Charakter – und erzählte von der Vergangenheit eines Stadtteils, der sich in den vergangenen Jahrzehnten komplett neu erfunden hat.
